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Magnetischer vs. rechtweisender Kurs: die Missweisungsfalle, die die meisten Piloten vergessen

Du fliegst nach Osten. Dein GPS zeigt einen Track von 090° rechtweisend an. Dein DG/HSI zeigt einen Heading von 087° magnetisch. Beide sind korrekt, beide sind unterschiedlich, und die Abweichung von 3° auf einer Strecke von 300 nm bringt…

Du fliegst nach Osten. Dein GPS zeigt einen Track von 090° rechtweisend an. Dein DG/HSI zeigt einen Heading von 087° magnetisch. Beide sind korrekt, beide sind unterschiedlich, und die Abweichung von 3° auf einer Strecke von 300 nm bringt Dich 15 nm vom Kurs am Ziel ab. Magnetischer vs. rechtweisender Kurs ist eines dieser Konzepte, das jeder Flugschüler lernt und über das die meisten Piloten danach nicht mehr nachdenken — bis sie auf dem falschen Flugplatz landen und sich fragen, was passiert ist. Das hier ist der praktische Leitfaden.

Zwei Bezugssysteme, ein Flugzeug

Die Luftfahrt verwendet gleichzeitig zwei verschiedene "Nord"-Referenzen:

  • Rechtweisend Nord: der geografische Nordpol (die Erdrotationsachse). Was Karten und GPS verwenden.
  • Magnetisch Nord: die Richtung, in die ein Magnetkompass zeigt, was nicht derselbe Ort wie der rechtweisende Norden ist — er liegt aktuell in der kanadischen Arktis und driftet mit ~50 km/Jahr in Richtung Sibirien.

Die Winkeldifferenz zwischen rechtweisend Nord und magnetisch Nord an einem bestimmten Ort wird magnetische Missweisung genannt (oder "Deklination" in der Geophysik).

Dein DG/HSI misst den Kurs relativ zu magnetisch Nord (weil er bei der Installation gegen einen Magnetkompass kalibriert wurde). Dein GPS berechnet den Track relativ zu rechtweisend Nord (weil es satellitengestützte geografische Koordinaten ausliest).

Die beiden Anzeigen unterscheiden sich genau um die lokale magnetische Missweisung.

Missweisung weltweit

Missweisungswerte, denen Du begegnen wirst:

  • Lissabon, Portugal: −2° (Missweisung West, magnetisch = rechtweisend + 2°)
  • Rom, Italien: +3° (Missweisung Ost, magnetisch = rechtweisend − 3°)
  • Berlin, Deutschland: +5°
  • Helsinki, Finnland: +14°
  • Reykjavik, Island: −10°
  • New York, USA: −13°
  • Los Angeles, USA: +12°
  • Tokio, Japan: −7°
  • Sydney, Australien: +13°

Die Missweisung ändert sich langsam — etwa 0,1° pro Jahr an den meisten Orten. Luftfahrtkarten veröffentlichen "Isogonen" (Linien gleicher Missweisung), die alle paar Jahre aktualisiert werden.

Die Merksätze

Die klassischen Eselsbrücken:

  • "East is least, west is best" — bei Ostmissweisung: vom rechtweisenden Wert abziehen, um den magnetischen zu erhalten ("least" = weniger). Bei Westmissweisung: addieren ("best" = mehr).
  • "Variation east, magnetic least" / "variation west, magnetic best" — derselbe Gedanke, andere Formulierung.

Praktische Rechnung:

  • Missweisung Ost 5° → magnetisch = rechtweisend − 5°. Wenn Dein GPS einen Track von 090° rechtweisend anzeigt, sollte Dein DG 085° magnetisch anzeigen.
  • Missweisung West 5° → magnetisch = rechtweisend + 5°. Wenn Dein GPS einen Track von 090° rechtweisend anzeigt, sollte Dein DG 095° magnetisch anzeigen.

Die 4°-Fehlerfalle

Ein häufiges Szenario: Ein Pilot lernt das Fliegen in Südeuropa (Missweisung +3°). Jahre später unternimmt er einen Überlandflug nach Norden in Nordeuropa. Er fliegt von Missweisung +3° nach Missweisung +12°. Die Differenz summiert sich über 1.000 km.

Auf einer einzelnen Strecke von 300 nm bei +3° Missweisung wird der DG-basierte Kurs des Piloten um 3° vom rechtweisenden GPS-Track abweichen. Über 300 nm bei 3° Fehler: seitliche Abweichung = 300 × tan(3°) ≈ 15 nm.

Bei einem Transatlantikflug, der eine Missweisungsänderung von +5° auf −15° überquert (eine Schwankung von 20°), würde die kumulierte Abweichung über 3.000 nm ohne Korrektur Dutzende von Seemeilen betragen. Deshalb verfolgen Langstreckenpiloten kontinuierlich den GPS-Kurs und nicht nur den DG.

Was modernes GPS leistet

Moderne GPS-/FMS-Systeme:

  • Berechnen den rechtweisenden Track aus Satellitenpositionen
  • Schlagen die lokale magnetische Missweisung in einer integrierten NOAA-WMM-Datenbank (World Magnetic Model) nach
  • Zeigen dem Piloten BEIDE Werte an, rechtweisend und magnetisch, je nach Konfiguration
  • Berechnen die Peilung zu einem Wegpunkt entweder rechtweisend oder magnetisch, ebenfalls je nach Konfiguration

Beim UL-/LSA-Fliegen mit Garmin- oder Dynon-Avionik zeigt das Panel standardmäßig magnetisch an, zur Kompatibilität mit dem im Flugzeug eingebauten DG/Kompass. Das Umschalten auf rechtweisend (manchmal eine Softkey-Option) ist nützlich zur Gegenkontrolle, aber nicht die alltägliche Referenz.

Warum die Luftfahrt weiterhin magnetisch verwendet

Eine berechtigte Frage: Warum nicht einfach überall auf rechtweisend standardisieren?

Weil der Kurskreisel (DG, directional gyro) und der Magnetkompass — eingebaut in jedem Flugzeug — magnetisch messen. Würde man das GPS auf rechtweisend umstellen, müsste der Pilot bei jedem Quervergleich des Kurses gedanklich kompensieren. Das ist ein Fehlervektor, den die Luftfahrt nicht einführen wollte.

Einige IFR-Verfahren und FMS-Wegpunktdefinitionen verwenden intern rechtweisende Peilungen (besonders in Polarregionen, wo der Magnetismus unzuverlässig wird), aber die Cockpit-Anzeigen zeigen dem Piloten magnetisch. Deshalb sprechen auch Airline-Piloten von "270 the heading bug" — das ist magnetisch, auch wenn das FMS es aus rechtweisender Geografie berechnet hat.

Voliqos Planer

Im Planer zeigt das Routeninformationsfeld beides:

  • Distanz: Großkreis in km und nm
  • Track: in RECHTWEISENDER Peilung (entspricht dem GPS)
  • Magnetischer Track: angewandte Missweisung am Mittelpunkt der Strecke

Für eine Strecke von Lissabon (Missweisung −2°) nach Rom (Missweisung +3°) berechnet der Planer den Track an jedem Endpunkt und zeigt die Missweisung am Mittelpunkt. Das ist keine Magie — es ist ein Lookup in der WMM-Datenbank. Die Anzeige liefert Dir den Kurs, den Du tatsächlich mit Deinem DG/HSI fliegen würdest.

Für typische UL-/LSA-Strecken von 200–700 km ist die Differenz zwischen magnetisch und rechtweisend gering (die Missweisung ändert sich in mittleren Breiten über diese Distanzen um < 1°). Bei längeren Überlandflügen ist die Schätzung der Mittelpunkt-Missweisung gut genug; bei sehr langen Strecken plane ein, den Kurs alle 100 nm zu aktualisieren.

Häufige Pilotenfehler

Drei Muster, die wir sehen:

  1. Magnetisch von der Karte ablesen, GPS-Track rechtweisend fliegen: Karte sagt 270° magnetisch zum Ziel, GPS zeigt einen Track von 273° — der Pilot vertraut der Karte und driftet nördlich vom Kurs ab
  2. Missweisung beim Einreichen des Flugplans vergessen: Flugplan mit magnetischen Peilungen eingereicht, ATC-Freigabe in rechtweisenden Peilungen ausgegeben (abhängig von der Jurisdiktion) — Verwirrung bei der Freigabe
  3. Isogonen überqueren, ohne neu zu prüfen: Ein 5-stündiger Flug, der 10° Missweisungsänderung überquert, kann Dich weit vom Kurs abbringen, wenn Du nur den Anfangskurs einstellst und nicht aktualisierst

Die Lösung für alle drei: Vertraue der magenta GPS-Linie, vergleiche den DG mit der magnetischen GPS-Anzeige und aktualisiere den Kurs immer dann, wenn sie nicht übereinstimmen.

In Polarregionen

Oberhalb von ~70° Breite werden die Linien der magnetischen Missweisung sehr eng zusammengedrängt — kleine Positionsänderungen erzeugen große Missweisungsänderungen. An manchen Orten in der Nähe des magnetischen Pols selbst kann ein Magnetkompass praktisch unbrauchbar werden.

Polarrouten-Operationen verwenden Gitter-Navigation: ein drittes Bezugssystem, ausgerichtet an einem gewählten Meridian, das über die gesamte Polarregion stabil bleibt. Langstreckenpiloten, die transpolare Routen fliegen, erhalten spezielles Training für den Gitter-Kurs.

Für UL-/LSA-Piloten, die nicht oberhalb von 65° Breite fliegen, ist das kein Thema. Die Lookup-Tabellen für die Missweisung bleiben genau.

Fazit

Magnetischer vs. rechtweisender Kurs ist eine der häufigsten Quellen für Positionsfehler in der Luftfahrt — und eine der am leichtesten zu behebenden. Drei Regeln:

  1. Vertraue der magenta GPS-Linie für die Navigation
  2. Vergleiche den DG mit der magnetischen GPS-Anzeige alle 10 Minuten
  3. Aktualisiere den Kurs am Mittelpunkt bei Strecken länger als 200 nm in Regionen mit signifikantem Missweisungsgradienten

Der 4°-Missweisungsfehler auf einer Strecke von 200 nm bringt Dich am Ziel 14 nm vom Kurs ab. Über einen 5-stündigen Überlandflug ist das der Unterschied zwischen einer Landung dort, wo Du es geplant hast, und einer Landung irgendwo mit einem "Moment, wo bin ich eigentlich?"-Moment. Die Kosten, es richtig zu machen: ein paar Sekunden Quervergleich. Die Kosten, es falsch zu machen: ein ungeplanter Ausweichflug, möglicherweise in einen Luftraum, den Du nicht eingeplant hast.

Voliqos Planer erledigt die Missweisungsmathematik im Voraus für Dich. Nutze ihn. Die Ära der Piloten, die die magnetische Missweisung manuell mit Papierkarte und einem Stück Schnur verfolgten, ist weitgehend vorbei — aber die Missweisung ist nicht verschwunden, nur weil die Mathematik es ist.

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